Von Garten und Städten zum Gartenplaneten

By | Oktober 19, 2018

Die biblischen Erzählungen beginnen in Eden und enden im Neuen Jerusalem. Das Eden der Genesis stellen wir uns als Garten vor, das Neue Jerusalem der Offenbarung als Stadt.

Eden als Ausgangspunkt erscheint zunächst unbegrenzt. Dann scheidet die Ursünde den Menschen von Gott und den Garten vom Rest der Erde. Eden wandelt sich durch den Sündenfall in einen umgrenzten, begehrenswerten, unerreichbaren Ort. Außerhalb des Gartens bestimmen als Strafe Gottes nun Arbeit, Blut, Schweiß, Tränen und Schmerzen das Dasein.

Heute bedeutet uns der Garten, dass wir von diesem Jammertal einen Bereich abstecken, der unser Herz erfreut. Wir legen uns einen Garten an, schaffen uns einen geschützten Raum, der uns an das unerreichbare Paradies erinnert. Der moderne Garten als Zuflucht für uns Stadtmenschen, als Rückzugsort, als Ort zum Träumen, als Verwirklichung unserer Vorstellung von Glück und Harmonie, vom verlorenen Paradies.

Eden mit dem Baum des Lebens in der Mitte bleibt für uns unerreichbar. Die Gärten in den Städten, Abbilder unserer Vorstellungswelten, sind erreichbar, doch ein Baum des Lebens steht nicht in ihrer Mitte. Ich will anregen, dass wir in Zukunft die Städte einhegen, nicht die Gärten. Diese Städte der Zukunft stelle ich mir vor wie Inseln in einem Weltgarten.

Städte verdichten Lebenschancen

Städte entsprechen dem Bedürfnis vieler Menschen, mit anderen Menschen zusammen zu leben. Auch wünschen sich viele, dass sie alle wichtigen Lebensbedürfnisse in der Nachbarschaft ihrer Wohnung befriedigen können:

  • Essen, Trinken und Kultur
  • Freundschaft und Gemeinschaft
  • Erwerbsarbeit und Ehrenamt
  • Betreuung, Lernen, Gesundheitsdienste und Pflege

Dieser Zugewinn an (fußläufig) erreichbaren Lebenschancen ist der Grund dafür, dass heute die Menschen in die Städte ziehen. Prognosen gehen davon aus, dass bis Ende dieses Jahrhunderts weltweit 8 von 10 Menschen in Städten leben werden.

Menschen in Städten sind für die Umwelt verträglicher als Menschen in Dörfern. Sie verbrauchen pro Person weniger Fläche, weniger Energie und weniger Wasser. Und je mehr Menschen pro Quadratkilometer in den Städten leben, zum Beispiel in den Hochhäusern der lebenswerten Städte Barcelona und New York, desto besser ist es für die Umwelt. Zersiedelte Städte wie Atlanta oder Austin sind dagegen viel schädlicher für unsere Natur.

Die Zuwanderung in die Städte führt zur Entvölkerung des ländlichen Raums auf der ganzen Erde. Dort entsteht die Chance für Gärten, die die Städte mit Nahrung versorgen sowie für Natur und Artenvielfalt, die Wasser, Boden und Luft reinigen. Wie einst in Eden kann so zukünftig eine Gartenlandschaft den Planeten bedecken, obwohl die Bevölkerung wächst.

Wie sieht so eine lebenswerte, nachhaltige Zukunftsstadt aus?

Wenn fast alle Menschen in den Städten wohnen, müssen die Städte so sein, dass die Menschen sich wohlfühlen und gesund bleiben. Zugleich muss ihr Ressourcenverbrauch viel geringer werden. Wie kann das geschehen?

Ein wichtiges Konzept dafür sind »gestapelte Einfamilienhäuser«. So kann jeder die von vielen angestrebte Wohnform mit 90 bis 220 Quadratmeter und eigenem Garten erreichen, ohne dass dabei die Umwelt vor die Hunde geht. Technisch gesehen sind das Hochhäuser. Sie haben aber nichts zu tun mit den hässlichen, anonymen Wohntürmen der Vergangenheit. Es sind eher »vertikale Dörfer«, wo man seinen Nachbarn kennt und einen echten Rückzugsort hat. Es sind nachhaltige Öko-Hochhäuser.

Auch die Städte selber werden grüner: Heute noch kahle Wände werden zu vertikalen Gärten und Dächer zu Dachgärten. So entsteht neues Grün als Ort der Begegnung, Gemeinschaft und Nahrungsmittelproduktion. Das Auge erblickt mehr Schönes, die Lunge atmet frischere Luft und im Sommer bleibt es kühler in den Straßen. Daran arbeiten viele Städte, zu besichtigen in den nachhaltigsten Städten der Welt: Kopenhagen, Vancouver, Seattle oder Portland. Warum nicht bald auch in Bonn?

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, die räumliche Trennung der Funktionen aufzuheben. Wohnen, Arbeiten, Versorgung, Bildung, Betreuung, Freizeit und Erholung sollen fußläufig erreichbar sein. Die Stadtplanung sieht in der Nähe der Wohnungen Einkaufsmöglichkeiten vor, Schwimmbäder, öffentliche Parks, Sportstätten, Geschäfte, Büros und Werkstätten, immer so, dass sie sich sinnvoll ergänzen und dennoch gegenseitig nicht stören. Das ist der Gegenentwurf zur »autogerechten Stadt«, wie sie z. B. in Bonn früher angestrebt wurde.

Dieser Umbau der Städte und des Landes wird stattfinden, weil

  • sie auf dem Weg zur nachhaltigen Wirtschaft notwendig sind,
  • die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen so sind,
  • mit dem Neubau und Umbau der Städte sehr viel Geld verdient werden kann,
  • Bauern in nachhaltig bewirtschafteten Gärten durch Kosteneinsparung mehr Geld verdienen können.

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