Fleisch aus Pflanzen: In Zukunft nicht unterscheidbar

By | Januar 29, 2018

Fleisch aus Pflanzen: In Zukunft nicht unterscheidbar

Fleisch aus Pflanzen ist lecker und lässt sich umweltfreundlich herstellen. Bevor wir klären, wie es hergestellt wird, schauen wir zunächst, wie heute die meisten unserer Medikamente entstehen. Ganz einfach: Wir packen die Bauanleitung für deren Wirkstoffe in Bakterienzellen. Große Mengen solcher Zellen stellen dann das Medikament in einem Tank her.

Im Vergleich zur klassischen Chemie ist das billiger. Denn es spart Energie und schont die Umwelt, und die manipulierte Zelle verlässt niemals ihren Tank. Sie wäre auch außerhalb des Tanks nicht überlebensfähig. Am Schluss trennt man die Wirkstoffe von den Zellen und verpackt sie. So entstehen die Pillen, Tabletten, Salben und Phiolen, in denen die heilenden Substanzen zu uns kommen. Niemand hat mit dieser Methode irgendwelche Probleme, selbst die nicht, die ansonsten mit Gentechnik nichts zu tun haben wollen. In Zukunft können wir auf diese Weise Fleisch aus Pflanzen herstellen. Darum geht es in diesem Text.

Massentierhaltung ist vergleichsweise unwirtschaftlich

Schauen wir uns an, wie viele unserer Nahrungsmittel entstehen:

  • Erst bauen wir mit viel Energie und Arbeitsaufwand Pflanzen an.
  • Die Pflanzen produzieren Stoffe, die wir zum Leben brauchen.
  • Dann verfüttern wir diese aufwendig hergestellten Pflanzen an Tiere.
  • Die Tiere holen die guten Stoffe aus den Pflanzen und verwandeln sie in Fleisch und Milch.

Essen herstellen wie Medizin

Wie Medikamente lassen sich sämtliche pflanzlichen und tierischen Stoffe in Tanks voller Zellen herstellen. Das funktioniert auch in Großmengen. Für 10 Milliarden Menschen brauchen wir große Mengen. Solche Kopierer für Nährstoffe und Wirkstoffe nennt man „Bioreaktoren“. Sie sparen Platz, Arbeit und Energie, schonen die Umwelt, sind nachhaltig. Und sie sind viel billiger, als Futtermittel anzubauen und damit Tiere aufzuziehen, die dann geschlachtet werden.

Mit dieser Methode verwandelt die Firma „impossible foods“ in den USA sowie viele Mitbewerber weltweit Pflanzen in „Fleisch“.

Das darf man nicht verwechseln mit dem sogenannten „In-vitro-Fleisch“. Dieses entsteht aus Kulturen echter Rinderzellen, aus denen dann „echte“ Fleischstücke wachsen. Das gelingt im Labor ganz ohne Tiere, Weiden und Futtermittel.

Dieses Vorgehen ist zwar bereits umweltfreundlicher und nachhaltiger als Tierhaltung, aber lange nicht so produktiv wie tierische und pflanzliche Nährstoffe aus einem Bioreaktor.

Unsere Nahrungsgewohnheiten machen sich an Geschmack, Geruch und Mundgefühl der Produkte fest. Wenn diese Eigenschaften beibehalten werden, können wir aus Pflanzen viele tierische Produkte nachbauen, ohne unsere Nahrungsgewohnheiten ändern zu müssen. Auf Dauer wird das so gut funktionieren, dass auch der Feinschmecker den Unterschied nicht wahrnimmt.

Das Ergebnis, zum Beispiel ein „blutiger Hamburger“ vom Grill, ist im Gegensatz zu In-vitro-Fleisch sogar vegan.

Naturidentisch, nicht nur naturähnlich

Da der Entstehungsprozess ein biologischer ist, sind die Ergebnisse auch bestens verdaulich. Denn die Inhaltsstoffe haben nicht nur die gleiche chemische Formel, sie haben auch die gleiche physische Struktur. Damit sind sie nicht nur der Natur ähnlich, sondern naturidentisch. Es gibt Ärzte und Forscher, die behaupten, dass die Inhaltsstoffe genmanipulierter Pflanzen wie nachgemachte Schlüssel sind, die nicht genau passen. Daher vermuten sie, dass diese Stoffe auf Dauer die Zelle beschädigen. In diesem Punkt ist sich die Forschung allerdings noch nicht einig.

Exakt genau die gleichen gesunden Nährstoffe produzieren wir dann nicht mehr auf dem Feld mit Futtermitteln und in Massentierhaltung. Fleisch aus Pflanzen entsteht dann in Bioreaktoren. Und zwar unabhängig von Jahreszeiten, Witterungseinflüssen und anderen Zufällen. Das spart Kosten, ist nachhaltiger und umweltfreundlicher. Außerdem können keine Gifte aus der Umwelt die Ergebnisse belasten. Die Nahrungsmittel sind also auch hygienisch besser.

Statt

  • Getreide und andere Futtermittel auf Feldern anzubauen,
  • riesiger Weiden,
  • gigantischer Mastställe mit echten Tieren, die leiden, krank werden und Medikamente brauchen,

benötigen wir einfach nur Bakterien in Tanks und dann das Abpacken des „Hackfleischs“ in den gewohnten Formen wie Hamburger und Döner.

Das spart Energie, ist nachhaltig und schützt die Umwelt zum Beispiel vor Gülle. Hier gilt wieder das Nachhaltigkeitsprinzip, das ich schon öfter erwähnt habe. Nämlich: Jeder Abfallstoff entsteht aus Rohstoffen und geleisteter Arbeit und hat damit Kosten verursacht. Abfall bedeutet: Geld in den Mülleimer werfen.

A) Abfälle, die bei der Futtermittelherstellung entstehen

  • Dieselabgase
  • Abwasser
  • Dreck aus Chemiefabriken, die Dünger und Pflanzenschutzmittel herstellen
  • Alle Teile der Pflanzen, die die Tiere nicht fressen
  • Dreck infolge des Transports

B) Abfälle, die bei der Tierproduktion entstehen

  • Gülle
  • Kuhrülpser
  • Körperwärme
  • Abwasser
  • Die Treibhausgase CO2 und Methan
  • Alle Teile der Tiere, die wir nicht verwerten
  • Chemie und Transport

Identische Zutaten kosten die Hälfte

In wenigen Jahren werden wir imstande sein, alle Inhaltsstoffe unserer Nahrung naturidentisch in Bioreaktoren nachzubauen.

Wir werden also unsere Nahrungsgewohnheiten nur ändern müssen, wenn wir das wollen. Wir können das gewohnte Essen dann mit einem Bruchteil der Energie, des Wassers und der Fläche herstellen wie heute. Fleisch aus Pflanzen ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie. Unser Körper bekommt genau die Nährstoffe, die er braucht, in der Form, an die wir gewöhnt sind. Das ist sehr wichtig. Denn kaum etwas lässt sich so schwer ändern wie Ernährungsgewohnheiten.

Und es ist ein gigantischer neuer Markt, der die Tierzucht auf Dauer ersetzen wird. Denn es ergibt überhaupt keinen Sinn, für teures Geld die Umwelt und die Gesundheit zu beschädigen. Dabei zeitigt die heutige Methode am Ende oft sogar minderwertige Produkte, Stichworte „Gammelfleisch“ und „Nahrungsmittelverschwendung“.

Das hat überhaupt nichts mit Moral zu tun. Das hat etwas mit wirtschaftlicher Vernunft zu tun. Es hat damit zu tun, dass man auf diese Weise viel mehr Geld verdienen kann als vorher. Sie glauben ja wohl nicht, dass McDonald’s die Preise senkt, bloß weil die Zutaten nur noch die Hälfte kosten? Mit den Bioreaktoren werden dann auch die tierquälenden Massenhaltungsbetriebe verschwinden .

Was ist zu tun, um damit reich zu werden?

Wenn ich ein Tierzüchter wäre, würde ich die Ställe Zug um Zug von Tieren räumen. Dann würde ich die frei werdenden Flächen für Bioreaktoren nutzen und Fleisch aus Pflanzen produzieren. So könnte ich möglichst früh am Markt sein mit meinen Produkten. Die Vertriebskanäle habe ich ja schon. Stofflich gesehen sind die Produkte ohnehin die gleichen. Lediglich die Herstellungskosten sinken und die Profite steigen. Es spricht also wenig dagegen. Dann würde ich die besten Marketing-Leute einstellen. Diese überzeugen dann Kunden und Manager der Fastfood- und Supermarktketten damit, dass die Umstellung ihre Profite steigert. Außerdem kann man mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit werben, ohne rot zu werden, weil das schlicht die Wahrheit ist.

Und was wird aus der Landwirtschaft?

Wir brauchen weiterhin die Landwirtschaft, zum Beispiel für Fleisch am Knochen, Pflanzen in ihrer natürlichen Form und als Kohlenstoff-Senke für den Klimaschutz. Hier kommt es nicht nur auf die Inhaltsstoffe an, sondern ganz wesentlich auf die Erscheinungsform. Außerdem brauchen wir Tiere, um die Landschaft zu pflegen: Landwirtschaft, die Landschaft schafft. Denn viele Landschaftsformen können nur existieren, wenn Tiere darauf weiden. Tiere züchten wir dann nicht mehr für unsere Nahrung; wir schlachten diese „Tiere als Landschaftsgärtner und Klimaschützer“ auch nur noch ausnahmsweise. Es reicht völlig aus, wenn sie einfach da sind. Es sind dann aber viel weniger Tiere als bisher, was eine gute Nachricht in Bezug auf die Tragkraft des Planeten ist.

Update Juni 2019

In den letzen Wochen gaben die großen Burgerketten bekannt, dass sie Fleisch aus Pflanzen anbieten und zwar sowohl die Variante aus Soja und Kartoffelstärke als auch die Variante aus Bohneneiweiß ohne Soja und Gluten, die häufig Allergien auslösen. Anmerkung: Die erste Version dieses Artikels bezog sich auf die Tatsache, dass Impossible Foods Weizeneiweiß (glutenhaltig) verwendet hat. Das Rezept wurde kürzlich erst geändert. Die Wirklichkeit ist heute schon sehr nah an den Ideen. Das macht mir Hoffnung!

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