Gemeinschaften, Gemeingüter, Genossenschaften

By | November 13, 2017

Kostenvorteile großer Einheiten

Sozialer Wohnungsbau ist eins der wichtigsten Gemeingüter. Das interessiert mich genauso wie nachhaltige Landwirtschaft.

Weil ich mir mehr nicht leisten kann, baue ich „nur“ ein kleines Mehrfamilienhaus. Das ist die Altersversorgung für meine Frau und mich. Die Wohnungen werden lebens- und liebenswert sowie im Bau und im Betrieb so nachhaltig und umweltfreundlich wie ich es mir eben noch leisten kann. Tu ich mehr, müsste ich Mieten nehmen, die keiner bezahlen will. Ich müsste wahrscheinlich Tausende Quadratmeter errichten, um einen besseren Standard zu einem günstigeren Preis zu errichten. Diese Wohnungen könnten sich auch die leisten, die heute Wohnungsnot leiden.

Wie kann ich das erreichen? Ich beziehe mich hier auf Artikel aus der „dérive – Zeitschrift für Stadtforschung“, die ich nachhaltig empfehlen kann. Er handelt von den Projekten neustartschweiz.ch und von der Community Land Trust (CLT) Bewegung. Diese Ergebnisse bestätigen meine eigenen Nachforschungen, spinnen und konkretisieren die Ideen.

Private Güter für alle nutzbar machen

Bevor ich die Artikel las, hatte ich für die Landwirtschaft bereits folgende Idee entwickelt. Viele Menschen schenken oder vererben ihr Geld an eine gemeinnützige Stiftung. Deren Zweck ist es, Land dauerhaft vom Markt zu nehmen und es für nachhaltige Landwirtschaft und nachhaltiges Wohnen zu reservieren. Genau das machen die CLTs in den USA. Privateigentum wird so umgewandelt in ein für die Gemeinschaft nachhaltig nützliches Eigentum. Auch über den Tod der ursprünglichen Geldgeber hinaus wirkt deren Idee von einem erfreulicheren Zusammenleben. Nur so kann ein Gegengewicht zum Einfluss solcher großer Vermögen gebildet werden, die skrupellos Gemeingüter für ihre eigenen Zwecke allein ausbeuten, ohne Nachhaltigkeit, Sozialverträglichkeit und Umweltverträglichkeit zu berücksichtigen.

Menschen entlassen, ausrangieren, töten, natürliche Ressourcen ausbeuten, wegwerfen und zerstören. Das will ich nicht. Weil ich in solchen Verhältnissen nicht leben will, mich solcher Untaten nicht mitschuldig machen will, will ich diese Modelle unterstützen. Ich will meine Arbeit, meine Kraft, meine Zeit und mein Vermögen in die Konstruktionen von gemeinnützigen Stiftungen und Genossenschaften einbringen.

Gemeingüter im Lebensraum Stadt

Fred Frohhofer vergleicht ein Stadtquartier mit einem gut gemanagten Urlaubshotel. Er greift damit das Konzept von Harry Glück wieder auf, der genau das als Anspruch an seine Sozialbauten gestellt hat.

Ein Urlaubshotel befriedigt alle Bedürfnisse des täglichen Lebens vom der Basis Essen und Trinken bis zu höheren Bedürfnissen wie kreative Betätigung, Sport, Gemeinschaftserleben und positive Identifikation mit dem „zu Hause“. Gleiches fordert und errichtete Glück unter anderem mit seinem Wohnprojekt in Alterlaa und Gleiches will auch Frohhofer mit seinem „Neustart Schweiz“ erreichen.

Im Fall Glück stellt die Verwaltung Leute in Lohnarbeit ein, die die Gemeinschaft im Hintergrund umsorgen, im Fall Frohhofer entscheidet die Gemeinschaft im Quartier, ob sie die Arbeit aus eigenen Reihen ehrenamtlich erledigen will oder Menschen dafür in Lohn und Brot nimmt. In beiden Fällen bleibt die Wirtschaftskraft nach Möglichkeit im Viertel, jedenfalls so weit sich die Bedürfnisbefriedigung relokalisieren lässt. Andere Bedürfnisse können in Zusammenarbeit mit anderen Gemeinschaften weiter weg befriedigt werden, zum Beispiel einer Bauerngenossenschaft in einem anderen Land, um Kaffee und Bananen anzubauen, die hier in Europa nicht wachsen oder eine Fischerkooperative, die frischen Fisch liefert, wenn die Gemeinschaft zu weit im Land liegt, um diese Ressource zu erreichen.

Lebensmittel für die Nachbarschaft erzeugen

Mit neuerdings entwickelten Methoden erzeugt man die Nahrung direkt im Viertel. Gemüseanbau und Fischzucht von Menschen, die hier leben, für Menschen, die hier leben. Eine Maßgeschneiderte Produktion auf die Bedürfnisse der Kunden, die zugleich Nachbarn sind. Warum eine eigene Küche betreiben, wenn es eine Gemeinschaftsküche gibt, die jeden Tag frisches, leckeres Essen aus dem Viertel auf den Tisch bringt?

Die „Investoren“, die das Stiftungskapitel zweckgebunden eingebracht haben, erwerben Anrechte, zum Beispiel Wohn- und Genussrechte an dem auch mit Hilfe ihres Kapitals errichteten Bauten, Produktionsbetrieben und anderen Geschäften.

Tausende Quadtratmeter Wohnfläche lassen sich auch in bevorzugter Lage pro Einheit viel günstiger errichten als ein kleines Mehrfamilienhaus. Statt also die 100.000 bis 400.000 Euro Eigenkapital in ein Einfamilienhaus zu stecken oder auch ein Mehrfamilienhaus, bringt man sie in ein größeres Gemeischaftsprojekt ein und erhält am Ende mehr nutzbare Quadratmeter als es im Alleingang möglich wäre. Zugleich wird ein Teil der von einem selbst verwalteten Gemeingüter an die Gemeinschaft zurück gegeben.

Der Überschuss kann an Arme ausgeschüttet werden, wenn man das will. Oder die öffentliche Hand investiert selber in die Gemeinschaft, weil diese effizienter und mutmaßlich gemeinwohlorientierter arbeitet als Privatinvestoren. Die Stadt verfolgt ja ähnliche Ziele wie die Konstruktion aus Stiftung und Genossenschaft.

So entsteht eine neue Art von sozialem Wohnungsbau, nicht von Großinvestoren gebaut oder der öffentlicher Hand sondern in Gemeinschaft Stiftung / Genossenschaft / Stadt.

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