Das Spiel Monopoly fordert Grundeinkommen und Startkapital für alle

By | September 23, 2015

Das Spiel Monopoly fordert Grundeinkommen und Startkapital für alle

Sagenhaft, wie erfrischend Gedanken sein können! Peter Barnes benutzt in seinem Buch „Kapitalismus 3.0“ das Spiel Monopoly als Bild für unsere Gesellschaft. Er begründet ein Grundeinkommen und eine Erbschaft für alle so:

„Monopoly besitzt jedoch zwei Merkmale, die dem amerikanischen Kapitalismus gegenwärtig fehlen. Alle Spieler haben das gleiche Startkapital, und ein jeder erhält mit jeder Umrundung des Spielbretts 200 $. Ohne diese Merkmale wäre das Spiel weder fair noch besonders aufregend. Kaum jemand würde es spielen.“

Praktisch soll das so aussehen. Ab einer gewissen Höhe fällt zu vererbendes Gut zur Hälfte einer öffentlich kontrollierten Erbschaftsverwaltung zu. Aus dieser Kasse erbt jedes Kind. Herkömmliche Erbschaftssteuer gibt es nicht mehr. Der Staat geht leer aus. Die andere Hälfte erhalten wie bisher die Erben.

Das „Monopoly Startkapital“ ist dann zwar immer noch nicht für jeden gleich. Es ist aber auch nicht mehr so, dass die obersten 5% dauerhaft viel mehr haben als alle Anderen. Und die Chance der Bevölkerungs-Mehrheit auf Reichtum steigt auch. Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter. Aus diesem Ungleichgewicht befürchtet der Autor für die Zukunft mehr gesellschaftliche Spannungen. Diese bedenkenswerten Ideen tragen also zum sozialen Frieden bei.

Grundeinkommen und Erbe für alle machen das Spiel erst interessant

Das Grundeinkommen („Gehen Sie über Los, ziehen Sie 4.000 Mark ein“) finanziert sich aus unverdienten Vorteilen. Unternehmen und Privatpersonen nutzen heute noch oft Gemeingüter, ohne dafür etwas an die Gemeinschaft zurückzugeben. Dazu werden die Gemeingüter in Geimeingüterverwaltungen („Treuhandfonds“) eingebracht, die Nutzungsrechte vergeben. Zum Beispiel verkauft eine Himmelsverwaltung („Sky Trust“) Nutzungsrechte an der Luft. Das kann das Recht zum fliegen sein, oder dass Recht gasförmigen Müll zu entsorgen. Eine Gewässerverwaltung vergibt Nutzungsrechte für Gewässer. Die Stadtverwaltung kassiert leistungslose Wertsteigerungen von Immobilien wieder ein.

Die Erlöse dieser Verwaltungen werden allen Bürger als „Rendite auf ihr Geburtsrecht an den natürlichen Ressourcen“ ausgezahlt. Auch hier gehen Staat und Politiker leer aus. Der „Geschädigte“ erhält die Entschädigung direkt vom „Schädiger“. Der Bürger, der in der „Wasserstraße“ nicht schwimmen darf oder verschmutze Luft einer Fabrik einatmen muss, bekommt das Geld.

Die Verwaltungen arbeiten so ist so, dass Ihre Gewinne steigen, wenn die Menge der Verschmutzungsrechte sinkt. Umweltschutz und Grundeinkommen stehen also nicht in Konkurrenz. Sie stärken sich sogar gegenseitig.

Eine anregende Lektüre mit kleineren Schwächen

Das Buch ist kostenlos von der Heinrich Böll Stiftung herunterzuladen, ist nicht durchgehend stichhaltig und durchdacht. Es wendet sich sehr deutlich an ein US-Publikum. Daher bemüht es häufig Beispiele, die an die Geschichte und den Patriotismus der Amerikaner appellieren. Es betrachtet die Welt aus US-Sicht.

Trotzdem will ich dieses Buch sehr zur Lektüre empfehlen. Denn dahinter steckt ein origineller Denker, dessen Ideen und Bilder sehr anregend wirken, siehe das Beipiel Monopoly.

Ich lese Bücher als eine Art Wetzstahl des Geistes. So verbessere ich meine aktuelle Idee, wie wir besser handeln können zum Nutzen Aller. Auch komme ich mit Hilfe solcher Bücher meinen eigenen Denkfehlern und Flachheiten auf die Spur.

In diesem Sinne: Gute Unterhaltung und angeregtes Weiterdenken!

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